Wie entwickelt sich der Vermietermarkt ?

Wie entwickelt sich der Vermietermarkt ?

𝗪𝗶𝗲 𝗲𝗻𝘁𝘄𝗶𝗰𝗸𝗲𝗹𝘁 𝘀𝗶𝗰𝗵 𝗱𝗲𝗿 𝗩𝗲𝗿𝗺𝗶𝗲𝘁𝗲𝗿𝗺𝗮𝗿𝗸𝘁?

Unser 𝗣𝗮𝗿𝘁𝗻𝗲𝗿 𝗣𝘂𝗻𝗱𝗺𝗮𝗻𝗻 hat den Caravan-Vermieter-Bund zur aktuellen Insolvenz des Anbieters vanever und zur generellen Entwicklung des Vermietmarktes befragt.

Unsere Einschätzung bleibt klar:

Gesundes Wachstum aufgrund tatsächlich vorhandener Nachfrage ist nachhaltig. Auf zukünftige Nachfrage zu wetten, bleibt gefährlich.

Wohnmobil- und Wohnwagenvermietung kann auch heute ein erfolgreiches Geschäftsmodell sein. Aber Erfolg entsteht nicht dadurch, dass ein Fahrzeug einfach nur zur Vermietung bereitsteht.

In unseren monatlichen Webinaren vermitteln wir deshalb immer wieder: Jeder Vermieter muss selbst aktiv werden.

Werbung machen
Social Media nutzen
Online sichtbar sein
Empfehlungen und Bestandskunden aufbauen
regional bekannt werden
das eigene Angebot aktiv vermarkten


Wer diese Punkte vernachlässigt, keine eigene Kundschaft aufbaut und sich ausschließlich auf Plattformen oder „Andere“ verlässt, überlässt seinen wirtschaftlichen Erfolg zunehmend dem Zufall.

Nachhaltige Vermietung bedeutet: Nachfrage aufbauen, den Markt beobachten und erst dann gesund wachsen.

𝗚𝗲𝗻𝗮𝘂 𝗱𝗮𝗯𝗲𝗶 𝘂𝗻𝘁𝗲𝗿𝘀𝘁ü𝘁𝘇𝘁 𝗱𝗲𝗿 𝗖𝗮𝗿𝗮𝘃𝗮𝗻-𝗩𝗲𝗿𝗺𝗶𝗲𝘁𝗲𝗿-𝗕𝘂𝗻𝗱 𝘀𝗲𝗶𝗻𝗲 𝗩𝗲𝗿𝗺𝗶𝗲𝘁𝗲𝗿.


Innerhalb kurzer Zeit sind mehrere bekannte Campervermieter in die Insolvenz gerutscht. Roadfans betrieb rund 1.100 Wohnmobile, FreewayCamper etwa 700 Fahrzeuge, Vanever zuletzt rund 430 Camper.

Die naheliegende Frage lautet:

Ist das Geschäftsmodell Campervermietung nach dem Corona-Boom grundsätzlich gescheitert?

So eindeutig lässt sich das nicht beantworten.

Denn gleichzeitig zeigt Roadsurfer, dass Wachstum in diesem Markt weiterhin möglich ist. Das Unternehmen verfügte Anfang 2025 über rund 8.500 Fahrzeuge und plante den weiteren Ausbau seiner Flotte.

Roadsurfer ist also ebenfalls schnell und kapitalintensiv gewachsen. Der Unterschied: Das Unternehmen setzt nicht ausschließlich auf Vermietung, sondern auch auf Fahrzeugverkauf, Abomodelle und die Stellplatzplattform roadsurfer spots.

Der Corona-Boom wurde zur Ausnahme

Für die Entwicklung der vergangenen Jahre bringt eine Aussage von Detlef Scheer vom Caravan-Vermieter-Bund einen zentralen Punkt auf den Punkt. Im Gespräch mit PUNDMANN sagte er:

„Die Ausnahme durfte man nicht zur neuen Realität machen. Das war der ganz große Fehler im Markt.

Während Corona machten außergewöhnlich hohe Nachfrage, knappe Fahrzeuge und hohe Mietpreise schnelles Wachstum attraktiv.

Flotten wurden vergrößert, Standorte eröffnet, Erwartungen nach oben geschraubt.

Doch irgendwann musste sich zeigen, welche Geschäftsmodelle auch unter normalen Marktbedingungen funktionieren.

Erst Nachfrage, dann Wachstum

Scheer beschreibt seine eigene Herangehensweise deutlich konservativer.

Im Gespräch mit PUNDMANN sagte er:

„Ich habe nicht auf die Mietgeschäfte gehofft, sondern ich hatte die und konnte dann kaufen.

Darin steckt eine einfache, aber wichtige Botschaft:

Erst Nachfrage, dann Wachstum – nicht umgekehrt.

Scheer formuliert es noch grundsätzlicher:

„Ich bin der Überzeugung, dass ein gesundes Wachstum zielführend ist.

Und mit Blick auf besonders schnell gewachsene Unternehmen sagt er:

„Die, die so rasant wachsen, sind auch häufig genau die, die als erstes wieder wegbrechen.

Das heißt nicht, dass Größe automatisch ein Problem ist.

Roadsurfer zeigt, dass auch ein sehr großes und kapitalintensives Modell funktionieren kann.

Entscheidend ist vielmehr, ob Nachfrage, Finanzierung, Marke, Service und Fahrzeugverwertung zusammenpassen.

Warum Roadsurfer ein interessantes Gegenbeispiel ist

Gerade deshalb ist Roadsurfer als Gegenbeispiel interessant.

Das Unternehmen ist ebenfalls stark gewachsen, setzt aber nicht allein auf die Vermietung eigener Fahrzeuge. Fahrzeugverkauf, Abomodelle und die Vermittlung von Stellplätzen verbreitern das Geschäftsmodell.

Dazu kommen eine starke Marke und eine klare Positionierung.

Roadsurfer zeigt damit: Schnelles Wachstum allein kann nicht die Ursache für das Scheitern anderer Anbieter sein.

Entscheidend ist, wie dieses Wachstum organisiert, finanziert und am Markt abgesichert wird.

Einfach einen Camper hinstellen reicht nicht mehr

Auch auf der Vertriebsseite haben sich die Bedingungen verändert.

Scheer sagt im Gespräch mit PUNDMANN:

„Aber man muss sich drum bemühen, es geht nicht von alleine. Die Zeiten sind vorbei.

Und noch deutlicher:

„Wer einfach nur ein Wohnmobil auf dem Markt stellt und darauf wartet, dass jemand mietet, der gehört dann zu denen, die nicht erfolgreich sind.

Damit rückt ein Faktor stärker in den Mittelpunkt, der während des Booms leicht unterschätzt werden konnte:

Positionierung.

Wer ist die Zielgruppe? Was unterscheidet das Angebot? Warum sollte ein Kunde genau dort buchen?

Scheer berichtet im Gespräch von Vermietern, die sich gezielt auf Familien, Hundebesitzer, ältere Fahrzeuge oder besondere Lösungen für E-Bikes spezialisiert haben.

Das ist ein deutlich anderer Ansatz als schlicht über den niedrigsten Mietpreis zu verkaufen.

Service statt Preiskampf

Auch dazu findet Scheer klare Worte:

„Wer über den Preis anbietet, der kommt auch in die Preisdiskussion. Man muss immer über Service anbieten.

Dieser Gedanke reicht weit über die Campervermietung hinaus.

Er gilt ebenso für Fahrzeugbauer, Händler und Zulieferer.

Wer dauerhaft nur über den Preis verkauft, macht sich austauschbar. Wer dagegen einen echten Mehrwert bietet, kann sich differenzieren.

Was bedeutet das für PUNDMANN als Zulieferer?

Für PUNDMANN ist die Entwicklung ebenfalls relevant. Wenn Vermieter, Ausbauer oder Fahrzeugpartner unter Druck geraten, betrifft das am Ende die gesamte Wertschöpfungskette.

Jan-Felix Nagel Nagel, CEO Pundmann MANN, ordnet die Entwicklung so ein:

„Für Ausbauer, Standortpartner und Fahrzeuglieferanten zeigt der Fall Vanever, wie wichtig starke Partnerschaften sind. Als Zulieferer unterstützen wir mit Lösungen, die Fahrzeuge aufwerten und neue Verkaufsargumente schaffen.

Dazu gehören beispielsweise technische Lösungen rund um Heizung, Warmwasser oder Wasserqualität, die nicht nur zusätzlichen Komfort schaffen, sondern auch eine stärkere Differenzierung des Fahrzeugs ermöglichen.

Ein gutes Beispiel dafür ist OCC – Open Camper Core. Das System ermöglicht Vermietern, Fahrzeug- und Komponentenstatus in Echtzeit zu überwachen. Fehler können so im besten Fall erkannt werden, bevor der Mieter sie bemerkt.

Ein klassisches Beispiel: Der Mieter meldet „Es kommt kein Wasser“ – OCC zeigt, ob der Tank leer ist oder tatsächlich ein technisches Problem vorliegt. Auch Fehlermeldungen, etwa einer Truma-Heizung, können direkt sichtbar sein.

Das erleichtert den Support, verkürzt die Fehlersuche und verbessert die Betreuung der gesamten Mietflotte.

Nagel betont dabei auch die langfristige Perspektive:

„Entscheidend ist nicht der kurzfristige Effekt eines Produkts. Lösungen müssen unseren Partnern dabei helfen, sich langfristig vom Wettbewerb zu unterscheiden und ihren Kunden einen echten Mehrwert zu bieten.

Gerade in einem professioneller werdenden Markt gewinnen stabile Partnerschaften und belastbare Geschäftsmodelle damit weiter an Bedeutung.

Fazit: Die Qualität des Wachstums entscheidet

Die aktuelle Insolvenzserie bedeutet nicht automatisch, dass der Campervermietungsmarkt grundsätzlich in der Krise steckt.

Sie zeigt vielmehr, dass nach den außergewöhnlichen Boomjahren Geschäftsmodelle härter getestet werden.

Die Zeit, in der Wachstum fast von selbst kam, ist vorbei.

Heute zählen wieder klassische unternehmerische Fragen:

Gibt es echte Nachfrage? Ist das Wachstum finanzierbar? Ist die Zielgruppe klar definiert? Bietet das Unternehmen einen echten Mehrwert? Und lässt sich auch unter normalen Marktbedingungen profitabel arbeiten?

Genau darin könnte die wichtigste Lehre aus den vergangenen Jahren liegen:

Nicht Wachstum entscheidet über Erfolg, sondern die Qualität des Wachstums.

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